Prokrastination - wenn Aufschieben weh tut

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harekrishnaharerama
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Prokrastination - wenn Aufschieben weh tut

Beitrag von harekrishnaharerama » 14. Dez 2019, 13:36

Über Prokrastination wird gerade viel nachgedacht - nicht nur weil es in der Leistungsgesellschaft nicht passt, sondern auch weil es uns in unserer Verwaltung langsam zum Verhängnis wird. Warum gibt es das eigentlich? Was für einen Sinn hat diese Funktion?


Unsere Gesellschaft wird immer härter. Der Leidensdruck bei der Arbeit steigt, während die Arbeitgeber das Gegenteil behaupten. Im spätkapitalistischen Neusprech wird "leiden" zu "genießen". Und "über die Knechtung murren, sie aber dennoch hinnehmen", nennt man verschämt "prokrastinieren".

Prokrastinieren besteht auch darin, Probleme unter hohen Stapeln zu begraben. Auf privater Ebene ist das einfach nur erbärmlich. Aber wenn Prokrastination sich auf staatlicher oder gar globaler Ebene verbreitet, hat sie weit dramatischere Folgen. Der pathologische Prokrastinator will uns beruhigen: Natürlich bekämpfen wir den Klimawandel. Gleich morgen.
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Herr von Böde
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Re: Prokrastination - wenn Aufschieben weh tut

Beitrag von Herr von Böde » 14. Dez 2019, 14:37

Was in der "Leistungsgesellschaft" gern übersehen wird sind imaterielle Leistungen.

Was führte wohl zu Sprachentwicklung, Philosophie, Kunst und Wissenschaft?
Alleine Freizeit.

Ein komplexes Nervensystem das unterfordert ist sucht sich Aufgaben.
Ein Sinn ist die Energieersparnis, zu Gute kommt das der intellektuellen Entwicklung.
Zwar braucht das Hirn enorm viel Energie aber die geistige anstrengung ist eine andere als doe körperliche.

Die Frage ist warum das heute so schlecht funktioniert.
Warum ist kein Genuss in Arbeitslosigkeit ? Warum treibt dieser Genuss nicht zu geistigen Höchstleistungen an, sondern wird in das Gegenteil verkehrt, als Belastung erlebt die man mit fragwürdoigem TV-Progamm und ein paar Bier überdeckt?

Sicher ist eine Ursache das der Arbeitslose sich als wertlos erlebt, was ihm gesellschaftlich auch eingetrichtert wird, als Kind wurde ihm bei gebaracht endlich "still zu sein" und möglichst "nicht aufzufallen".
So bleibt nur das TV und das Bier.

Tatsächlich ist die sogenannte Leistungsgesellschaft (die gar keine ist, sie ist eine Materialgesellschaft) dafür verantwortlich.
Sie ist blind für nichtmaterielle Leistungen und Nutzen.
Und so fühlt sich der Mensch mit freier Zeit nicht beschenkt sondern abgehängt.

Eine gesunde Gesellschaft leistet sich natürliche ein Heer von Mitmenschen die ihr mangeldes Intersse am Scheffeln ausgleichen durch kluge Gespräche, soziale Bereitschaft, Perspektiven von ausserhalb der Box.
Das allerdings wäre für unser Gesellschaft natürlich eine echte Gefahr, wenn die Leute plötzlich ohne Luxus strahlten :)

Edit:
Warum ist es denn so das unser Produktivitätszuwachs nicht 1:1 mit Freizeit ausgeglichen wird?
Naja, schön wäre es ja schon wennn er überhaupt ausgeglichen würde :)
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"Life Begins At The End Of Your Comfort Zone!"


https://de.wikipedia.org/wiki/Moralische_Kompetenz
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