Musik-Thread

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Bosche
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Re: Musik-Thread

Beitrag von Bosche » 2. Okt 2019, 23:39

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Re: Musik-Thread

Beitrag von Bosche » 2. Okt 2019, 23:40

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syzygy
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Re: Musik-Thread

Beitrag von syzygy » 3. Okt 2019, 10:32

WESTSIDEGUNN - SUMMERSLAM 88 (OFFICIAL VIDEO)
"Um die Welt in einem Sandkorn zu sehn und den Himmel in einer wilden Blume, halte die Unendlichkeit auf deiner flachen Hand und die Stunde rückt in die Ewigkeit."
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syzygy
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Re: Musik-Thread

Beitrag von syzygy » 3. Okt 2019, 10:33

Bosche hat geschrieben:
2. Okt 2019, 23:39
Max Cooper - Order From Chaos (official video by Maxime Causeret)
Cooles Vid!
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Re: Musik-Thread

Beitrag von pilzjockel33 » 3. Okt 2019, 19:24

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syzygy
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Re: Musik-Thread

Beitrag von syzygy » 4. Okt 2019, 08:32

Hentzup - Miles Ahead
"Um die Welt in einem Sandkorn zu sehn und den Himmel in einer wilden Blume, halte die Unendlichkeit auf deiner flachen Hand und die Stunde rückt in die Ewigkeit."
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Re: Musik-Thread

Beitrag von Zebra » 6. Okt 2019, 17:09



Reine Trance

5. August 2016

Ins marokkanische Jajouka pilgerten die Rolling Stones, Ornette Coleman und Willam S. Burroughs. Bei den entrückten Dorfmusikern suchten sie nach den Wurzeln des Rock ’n’ Roll. Jetzt treten die Master Musicians of Jajouka in Berlin auf.

"No problem, man!", ruft Bashir Attar in sein Handy. Er wartet seit zwei Stunden auf den Reporter am Bahnhof, der Casablanca-Express ist eine Geduldsprobe auf Schienen. Als das Minarett von Ksar El-Kebir schon in der Ferne zu erkennen ist, hält der Zug ein letztes Mal auf offener Strecke. Wieder springen alle ins Freie, aber viel aufgeregter als beim letzten Mal. Vor der Lok hat sich eine Menschentraube gebildet, das schlimme Gerücht hat sich schnell herumgesprochen. Auf Maultieren reiten die Bauern aus dem Nachbardorf hinzu. Irgendjemand spricht Englisch. Ja, erklärt er mir: ein Unfall. Ein Mann auf einem Pferd. Der Mann ist tot.

Zehn Minuten später schüttele ich Bashir Attar am Bahnhof die Hand. No problem, man? "Solche Dinge", sagt er, "passieren in Marokko. Aber natürlich nicht jeden Tag." Vom Rücksitz seines Geländewagens begrüßt mich in einer gestreiften Woll-Dschellaba der Trommelspieler Mohamed Attar Berdouz.
Ksar El-Kebir ist ein Marktflecken zwischen Atlantik und Rifgebirge, aber noch nicht das Ziel unserer Reise. Das Ziel ist Jajouka, ein Bergdorf, das auf kaum einer Landkarte verzeichnet ist. Jajouka ist eher Legende als Ort, ein Zustand zwischen den Zeiten. Die Musiker, Künstler und Schriftsteller, die seit den 1950er Jahren hierher gepilgert sind, hielten Jajouka für die Wiege der musikalischen Transzendenz – für den archaischen Stachel von Blues, Jazz und elektronischer Musik. Und Bashir Attar? Ein freundlicher, auf den ersten Blick nicht sehr auffälliger Mann mit Schirmmütze und fester Stimme. Er ist 52 Jahre alt und der amtierende Chef der Master Musicians of Jajouka. Und: ein Weltstar der Musik, wenn auch auf diesem Gebiet der vielleicht unbekannteste Weltstar der Welt.
Eher hat man von den Literatur-Hipstern William S. Burroughs oder Brion Gysin gehört oder von Paul Bowles, der nicht bloß Schriftsteller war, sondern auch Musik-Ethnologe. Ende der fünfziger Jahre reiste Bowles für die Rockefeller-Stiftung durch Marokko, um die traditionelle Musik der verschiedensten ethnischen Gruppen auf Tonband aufzunehmen; seine einzigartige Musiksammlung liegt bis heute im Archiv der Library of Congress in Washington.

Gysin, Burroughs und Bowles sind für Jajouka, was Amundsen für den Südpol war. Die ersten Kulturpioniere aus dem Westen, die über die damals noch nicht asphaltierten Serpentinen den Berg hinaufrumpelten. Und berühmtere Künstler anlockten. 1968 den exzentrischen Brian Jones, Gitarrist der Rolling Stones. Nur wenige Monate bevor er tot in seinem Londoner Swimmingpool schwamm, produzierte Jones hier das erste Weltmusik-Album der Geschichte. Brian Jones presents the Pipes of Pan machte Jajouka zum Wallfahrtsort. John Lennon und Yoko Ono haben Bashir Attars Vater, dem letzten Chefmusiker des Dorfes, die Hand geküsst. 1973 kam der Saxofonist Ornette Coleman. Er nahm eine Platte mit den Master Musicians auf. Als er im letzten Jahr starb, flogen Attar und seine Musiker nach New York und führten die Beerdigungsprozession des Free-Jazz-Gottes an. Die Master Musicians standen mit Patti Smith auf der Bühne, sie arbeiteten mit John Zorn, Bill Laswell, Philip Glass, Maceo Parker, dem Hollywoodkomponisten Howard Shore und waren 1989 auch noch einmal auf einer Platte der Rolling Stones zu hören. In Bernardo Bertoluccis Himmel über der Wüste, der Verfilmung des berühmtesten Romans von Paul Bowles, sind sie auf der Leinwand zu sehen. Sie spielen sich direkt ins Fieber des todgeweihten John Malkovich. Eine Musik des reinen Rauschs, ohne Gott und ohne Bedeutung.
Einmal angekommen, ist einem sofort klar, warum die Hippies in Jajouka ihr Arkadien gefunden hatten und den nach seltsamen Blumen duftenden Beweis für die Naturwüchsigkeit ihrer psychedelischen Träume. Sanft geschwungene Hügel gehen talwärts in fruchtbare Haschischfelder über, von denen die bitterarmen Leute hier leben. Olivenbäume säumen den Friedhof. Vor der Moschee weiden Schafe. Weiß getünchte Lehmhäuser, improvisierte Hütten am Dorfrand und Mauerreste aus phönizischer Zeit. Attar öffnet das Tor zum Mausoleum des Dorfheiligen. Sidi Ahmed Sheikh soll im achten Jahrhundert aus dem Osten gekommen sein, um den Berbern den Islam zu bringen.

Im Innenhof steht ein Feigenbaum, um dessen Stamm eine Metallkette geschlungen ist. Ich frage Attar, wann hier zum letzten Mal jemand festgekettet worden sei. Denn so funktioniert die Hadra, ein exorzistisches Ritual, das nicht nur unter den marokkanischen Sufis verbreitet ist. Die Hadra versetzt Kranke in Trance, um sie mit den Dschinn zu verbinden, die auf dämonische Weise von ihnen Besitz ergriffen haben. Die Musik ist der Schlüssel: Durch sie verliert der Kranke das Bewusstsein. Festgekettet wird er zu seinem eigenen Schutz. Er könnte sonst stürzen oder sich durch unkontrollierte Zuckungen verletzen. Die Musiker spielen direkt auf den Kranken ein, sie berühren ihn dabei mit ihren Instrumenten oder den Füßen. Aber nein, sagt Bashir Attar, er könne sich nicht erinnern, wann so etwas zuletzt am heiligen Baum von Jajouka geschehen sei, es müsse lange her sein; und die Kette ist auch wirklich schon ziemlich verrostet.

Paul Bowles vertrat die Auffassung, dass in der uralten Tonkunst der Master Musicians bereits die klassische Sonatensatzform vorweggenommen werde. Eine gewagte These. Europäische Hörer werden zunächst vielleicht nur Krach wahrnehmen. Über die polyrhythmisch verschachtelten Schläge der mit Ziegenleder bespannten Trommeln legen sich die atonalen Stimmen der Flöten und Ghaitas, so heißt die doppelblättrige marokkanische Oboe. Ein einziges Stück kann Minuten oder Stunden dauern, die Musik verläuft in stets wiederholbaren Schleifen. Sie gehorche aber, so erklärt es mir Bashir Attar, einer überaus strengen Struktur, die zu erlernen einen jungen Master Musician mindestens drei Jahre Übung koste. Khamsa wa-khamsin heißt die Form, in der eine aus überaus komplizierten Rhythmen bestehende Einheit erst nach 55 Takten in sich geschlossen ist. Es hat keinen Sinn, diese Musik en passant anzuhören, man muss sich ihr eine längere Zeit lang überlassen und vielleicht auch den Tanz gesehen haben, der zum Ritual gehört und mit jungen Männern zu tun hat, die sich in Ziegenfelle hüllen.

Der Tanz des Ziegenmanns? Der geistert durch Jajoukas Mythos wie ein Traumgebilde von Haruki Murakami. Der Ziegenmann heißt Bou Jeloud, ist halb Mensch, halb Tier und vor vielen Hundert Jahren angeblich dem Hirten Attar begegnet, Bashirs Urahn. Wie die einsame Kreatur dem Hirten die erste Flöte schenkte und ihm zeigte, wie man sie spielt, wie er diese Gabe aber an die Bedingung knüpfte, dass ihm der Hirte im Gegenzug das schönste schwarzäugige Mädchen des Dorfes überließ, und wie der listige Attar den Ziegenmann schließlich um seinen Lohn prellte, indem er die zur falschen Braut ausstaffierte zahnlose Hexe Aisha vorschickte, das ist die Geschichte, die den rituellen Tanz begründet.
Außerdem berufen sich die Musiker von Jajouka auf königliche Urkunden. Im Jahr 1377 erwähnte Ibn Khaldoun, der nicht nur Historiker gewesen ist, sondern auch Architekt, das Dorf zum ersten Mal schriftlich. Ibn Kahldoun selbst soll hier eine Festung erbaut haben, in der sich ein marokkanischer Prinz vor seinen Feinden versteckte. Es ist urkundlich belegt, dass die von den Attars angeführten Master Musicians seitdem die Hofmusiker der marokkanischen Sultane waren. Sie spielten in den königlichen Residenzen und begleiteten die Herrscher auf ihren Reisen durchs Land. So ging es bis 1912, als Franzosen und Spanier die Macht übernahmen. Dass den Master Musicians nur Jahrzehnte später eine zweite und diesmal internationale Musikkarriere bevorstand, und zwar dank Künstlern aus dem Westen, das ist eine ironische Pointe des Postkolonialismus. Als Brian Jones 1968 in Jajouka aufkreuzte, musste sich der alte Attar erst einmal erklären lassen, um wen es sich bei diesen Rolling Stones eigentlich handelte.
All das erzählt mir sein Sohn Bashir Attar, als es dunkel wird und der Regen aufs Dach des kargen Flachbaus prasselt, in dem er in Jajouka zu Hause ist. Es ist eine seltsame Nacht, die wir und sein Trommler Mohamed Attar Berdouz nun verbringen. Die alte Couch, der Tisch mit Wachstuchdecke, ein chinesischer Papierlampion an der Decke, der Fernseher, die Musikinstrumente, die immer wieder aufs Neue angezündete Sebri-Pfeife. Bashir Attar besteht darauf, dass ich unter allen, die ihn hier über die Jahre besucht haben, der erste deutsche Journalist sei. Bashir: Flöte, Mohamed: Trommel – die Kammermusik dauert bis sechs Uhr morgens. Dann schleiche ich mich in dasselbe Bett, in dem angeblich auch William S. Burroughs schon geschlafen hat.

Beat-Poeten als Historiker: Für Burroughs waren die Master Musicians eine "4.000 Jahre alte Rock-’n’-Roll-Band". Er erkannte im Kult um den Ziegengott den antiken Pan-Mythos. Die Trance der islamischen Sufis wäre dann älter als der Islam und überhaupt jede monotheistische Religion und auch Sidi Ahmed Sheikh, der Dorfheilige von Jajouka, nur eine lokale Fußnote. Und die Musik in ihr reines, absolutes Recht gesetzt: als Mittlerin einer bedeutungsfreien Mystik, einer leeren Ekstase.
Am Samstag tritt Bashir mit seinen Master Musicians of Jajouka in Berlin auf. Sie spielen dort nicht bei einer folkloristischen Veranstaltung, sondern auf dem Avantgarde-Popfestival By the Lake, vor Leuten, die die Enkel von Mick Jagger sein könnten. Und wenn es klappt, die Kinder des ältesten Musikers und Hirtengottes Pan.
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Re: Musik-Thread

Beitrag von Arkan » 6. Okt 2019, 21:03



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hand
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Re: Musik-Thread

Beitrag von hand » 7. Okt 2019, 13:53

denderaama
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Re: Musik-Thread

Beitrag von denderaama » 7. Okt 2019, 17:25

Hammer was heut zu tage alles möglich ist mit Roboter
der sich zum Tier macht end geht das leid ein Mensch zu sein
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